Wer den Schweizer Beteiligungsmarkt in den letzten Jahren aufmerksam beobachtet, erkennt eine klare Verschiebung. Family Offices treten zunehmend nicht mehr nur als stille Mitinvestoren auf, sondern als aktive Lead Investoren. Sie initiieren Deals, strukturieren Beteiligungen, setzen Themen und bringen weitere Kapitalgeber an den Tisch. Diese Entwicklung verändert den Markt, und sie wird 2026 noch stärker sichtbar werden.
Family Offices waren traditionell zwar präsent, aber häufig zurückhaltend. Die Strategie war oft defensiv. Immobilien, liquide Wertschriften, vielleicht einzelne Beteiligungen aus dem Umfeld. Das hatte auch mit der Marktphase zu tun. In einer Welt niedriger Zinsen und steigender Börsen war es für viele Unternehmerfamilien nicht zwingend notwendig, illiquide Investments in grossem Stil auszubauen. Diese Komfortzone ist vorbei. Volatilität, Zinswende und die generelle Unsicherheit in den Kapitalmärkten führen dazu, dass Kapital wieder stärker nach Substanz sucht.
Private Equity passt in diese Logik sehr gut. Beteiligungen schaffen Zugang zu realer Wertschöpfung und ermöglichen eine langfristige Entwicklung fernab täglicher Marktschwankungen. Der Unterschied ist nur: Family Offices wollen nicht mehr nur passiv dabei sein. Viele haben die Kompetenz und die Ressourcen aufgebaut, um aktiv zu führen. Sie verfügen über Branchenwissen, Netzwerke, unternehmerische Erfahrung und oft auch die Geduld, die ein Investment in nicht börsenkotierte Unternehmen verlangt. Genau diese Kombination macht sie zu geeigneten Lead Investoren.
Warum passiert das gerade jetzt. Ein wichtiger Faktor ist die Professionalisierung. Viele Family Offices sind heute nicht mehr nur Vermögensverwaltungen, sondern echte Investmentorganisationen. Sie haben Investmentkomitees, Prozesse, Due Diligence Standards und klare Strategien. Einige arbeiten mit ehemaligen Private Equity Partnern, Investmentbankern oder Branchenexperten. Dadurch können sie Deals nicht nur begleiten, sondern aktiv gestalten. Der Markt nimmt sie als ernsthafte Gegenpartei wahr.
In der Schweiz ist diese Entwicklung besonders interessant, weil der Markt für Beteiligungen sehr stark über Vertrauen und Reputation funktioniert. Unternehmer verkaufen nicht einfach an den Höchstbietenden. Sie verkaufen an jemanden, bei dem sie das Gefühl haben, dass ihr Unternehmen verstanden wird und langfristig gut aufgehoben ist. Family Offices können diese Rolle oft besonders gut erfüllen, weil sie selbst aus Unternehmerlogik heraus handeln. Sie kommunizieren anders als institutionelle Fonds. Weniger formal, aber oft sehr konkret. Für viele Verkäufer ist das attraktiv.
Venture Capital spielt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Rolle, vor allem in den Bereichen, in denen Unternehmerfamilien bewusst Innovation und Technologie ins Portfolio aufnehmen wollen. Viele Family Offices investieren nicht nur in klassische KMU, sondern auch in Wachstumsunternehmen, Deep Tech oder Medtech. Gerade in der Schweiz gibt es hier einen qualitativ starken Dealflow. Die Nähe zu Forschung und Industrie ermöglicht Investments, die nicht rein spekulativ sind, sondern auf technologischer Substanz basieren. Family Offices treten zunehmend als Lead Investoren in Series A oder Growth Runden auf und ziehen weitere Investoren mit.
Diese Verschiebung hat Folgen für den gesamten Markt. Sie verändert die Dealmechanik. Wenn Family Offices führen, sind Strukturen oft flexibler. Die Haltedauer ist tendenziell länger. Der Fokus liegt stärker auf nachhaltiger Wertentwicklung. Das kann Vorteile schaffen, weil Unternehmen weniger Exit Druck spüren. Gleichzeitig steigt aber auch der Anspruch. Lead Investoren müssen aktiv begleiten, Governance definieren und manchmal auch schwierige Entscheidungen treffen. Der Lead Status ist kein Prestige, sondern Verantwortung.
Für Anbieter wie Nordstein und Ellstone ist dieser Trend hochrelevant. Die Zusammenarbeit mit Family Offices wird wichtiger, weil sie nicht nur Kapital liefern, sondern auch Entscheidungen prägen. Deals entstehen häufiger aus Netzwerken, aus Co Investments und aus Partnerschaften, bei denen Vertrauen und Struktur entscheidend sind. Nordstein sieht in der Schweiz bereits heute, wie viele Unternehmerfamilien bereit sind, sich aktiver zu engagieren, wenn die Dealqualität stimmt und die Struktur sauber ist.
2026 dürfte dieser Wandel nochmals an Fahrt aufnehmen. Der Grund liegt auch in der Generationenfrage. Viele Family Offices werden inzwischen von der nächsten Generation geführt. Diese jüngeren Entscheider denken internationaler, sind technologieoffener und weniger stark an klassische Assetklassen gebunden. Sie verstehen Private Equity und Venture Capital nicht als Risiko, sondern als strategische Chance. Gleichzeitig erwarten sie Professionalität, Transparenz und klare Prozesse. Auch das treibt die Entwicklung voran.
Am Ende entsteht ein Beteiligungsmarkt, der breiter und stabiler wird. Mehr Lead Investoren bedeuten mehr Dealaktivität, aber auch mehr Vielfalt an Strukturen. Family Offices bringen eine Art Kapital in den Markt, das besonders wertvoll ist. Unternehmerkapital ist langfristig, geduldig und oft sehr nahe am operativen Verständnis. Genau deshalb werden Family Offices in der Schweiz zunehmend zu einem der wichtigsten Taktgeber im Private Equity und Venture Capital Umfeld.
