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Divestments gewinnen als Private-Equity-Strategie an Bedeutung

17. Mai 2024

Fast ein Jahrzehnt lang setzten Private-Equity-Investoren auf Wachstum statt auf Wertsteigerung. Diese Vorgehensweise funktionierte in jenen Zeiten, in denen die Multiplikatoren kontinuierlich stiegen. Höhere Kreditkosten haben jedoch die Bewertungen unter Druck gesetzt und damit eine Strategie zurück in den Fokus gebracht, die über viele Jahre weniger gefragt war: Divestments. Die Nordstein AG erläutert die Transaktionsform und zeigt das Comeback der Private-Equity-Strategie anhand aktueller Zahlen von PitchBook auf.

Was sind Divestments?

Divestments oder Divestitures, auch Carve-outs genannt, sind Verkäufe von Unternehmensteilen an andere Unternehmen oder Finanzinvestoren. Oft handelt es sich dabei um die Veräusserung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden oder nicht leistungsfähigen Vermögenswerten, was Unternehmen die Möglichkeit gibt, ihre Ressourcen effektiver einzusetzen und die Aufmerksamkeit auf die stärksten Wachstumsbereiche zu fokussieren. Divestments sind oft Teil einer strategischen Neupositionierung, bei der Märkte oder Branchen aufgegeben werden, die nicht mehr mit der Vision des Unternehmens übereinstimmen.

Über viele Jahre hat diese Art von Geschäften jedoch deutlich an Beliebtheit verloren, seit 2013 sank ihr Anteil an allen Buyouts über einen Zeitraum von acht Jahren nahezu kontinuierlich und erreichte im vierten Quartal 2021 mit 5,7 Prozent seinen historischen Tiefstand. 2022 kam es jedoch zu einer Trendwende, seitdem haben Divestments ihren Anteil am Private-Equity-Buyout-Geschäft stetig steigern und mit 12,6 Prozent im ersten Quartal 2024 gegenüber dem Tiefststand sogar mehr als verdoppeln können.

Hintergründe der steigenden Beliebtheit von Divestments

Den Hauptauslöser hinter diesem Umschwung verorten die PitchBook-Analysten in der Zinswende vonseiten der Federal Reserve und zahlreicher anderer Zentralbanken in aller Welt. Im Zuge dieses Zinserhöhungszyklus‘ haben sich die Kosten für die Kreditaufnahme für fremdfinanzierte Übernahmen mehr als verdoppelt: Bezogen auf den US-amerikanischen Markt für Konsortialkredite stiegen die Finanzierungskosten von 5,0 Prozent im vierten Quartal 2021 auf einen Höchststand von 12,4 Prozent im vierten Quartal 2023.

Angesichts höherer Kreditkosten und eines erschwerten Zugangs zu Fremdkapital haben Private-Equity-Investoren ihre Aufmerksamkeit stärker auf das Geschäft mit Divestments gerichtet, denn diese Transaktionen sind in der Regel kleiner und damit leichter zu finanzieren. Darüber hinaus werden Carveouts von reifen Unternehmen im Vergleich zum gesamten PE-Geschäft oft mit einem Abschlag bewertet, was Private-Equity-Investoren eine Gelegenheit bietet, Vermögenswerte zu günstigen Preisen zu erwerben. Auch diese niedrigeren Bewertungen machen Divestments in einem durch höhere Zinssätze und gestiegene Finanzierungskosten erschwerten Umfeld zu einem attraktiven Investitionsziel.

Wie die Nordstein AG hervorhebt, sind Divestments langjährigen Erfahrungen zufolge auch für die verkaufenden Unternehmen mit zahlreichen Vorteilen verbunden. So können Betriebe durch die Konzentrierung auf ihr Kerngeschäft ihre Abläufe optimieren und damit ihre Effizienz und schlussendlich ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Mit dem Erlös aus dem Verkauf gegebenenfalls wenig leistungsstarker Unternehmensteile haben Unternehmen auch die Möglichkeit, Schulden abzubauen und dadurch ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern sowie sich einen grösseren finanziellen Handlungsspielraum zu verschaffen.

Foto von Andrea Piacquadio bei Pexels

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